Über Geld spricht man bekanntlich nicht. Richtig? Naja. Was früher als ungeschriebenes Gesetz galt, weicht heute mehr und mehr auf. Auf TikTok, Instagram & Co. spricht die Gen Z offen über Geld und nicht selten auch konkret über den eigenen Verdienst. Aber darf man über das Gehalt sprechen? Und noch viel wichtiger: Darf man mit Kollegen über das Gehalt sprechen? Kann der Arbeitgeber das etwa verbieten?
In diesem Artikel klären wir verständlich und praxisnah, was erlaubt ist und worauf du achten solltest, wenn du über dein Gehalt sprechen möchtest. Du erfährst, welche Rechte du hast, welche Mythen sich hartnäckig halten und wann ein offenes Gespräch über Geld sinnvoll sein kann.
Mythos Lohngeheimnis: Das steckt dahinter
Das Tabu "Über Geld spricht man nicht" hält sich erstaunlich hartnäckig. Viele Beschäftigte trauen sich nicht, ihr eigenes Gehalt offen anzusprechen, aus Angst vor Ärger, Neid oder Konflikten mit Co-Workern.
Aber woher kommt dieses Gefühl wirklich, dass Gehalt ein geheimes Thema sein muss? Historisch betrachtet liegt es an einer Mischung aus Unternehmenskultur, Machtverhältnissen und rechtlichen Missverständnissen. Früher war es üblich, dass Gehälter nicht transparent gemacht wurden – oft aus Konkurrenzgründen oder um Lohnvergleiche innerhalb des Teams zu vermeiden. Dazu kamen Verschwiegenheitsklauseln in Arbeitsverträgen, die Mitarbeitende einschüchtern sollten, und das „Lohngeheimnis“ wurde zum geflügelten Wort.
Zudem haben viele die Angst, dass Gehaltsgespräche zu Konflikten führen oder gar eine Kündigung nach sich ziehen könnten. Dieser Mythos hält sich bis heute, obwohl Gerichtsurteile und das Gesetz klarstellen: Mitarbeitende dürfen über ihr Gehalt sprechen, insbesondere innerhalb des Unternehmens. Trotzdem prägt die alte Vorstellung noch immer das Verhalten vieler Beschäftigter. Ein Grund mehr, Licht ins Dunkel zu bringen.
Darf ich über mein Gehalt sprechen? Das sagt das Gesetz
Die kurze Antwort lautet: Ja, du darfst. Ganz offiziell. Dein Gehalt ist dein eigenes und über das darfst du sprechen. Das Grundgesetz schützt dein Recht, dich frei zu äußern, und Arbeitsgerichte bestätigen immer wieder: Kündigungen oder Abmahnungen wegen Gehaltsgesprächen sind in der Regel unzulässig.
Warum also das große Schweigen? Viele Arbeitgebende setzen immer noch auf alte Klauseln zum „Lohngeheimnis“.Doch diese pauschalen Verschwiegenheitsklauseln sind in Deutschland in der Regel unwirksam. Sie benachteiligen Mitarbeitende und widersprechen dem Grundsatz der Gleichbehandlung.
Das heißt: Mit Kolleg:innen über sein Gehalt zu sprechen ist erlaubt. Du darfst vergleichen, diskutieren und feststellen, ob du fair bezahlt wirst. Das ist wichtig, gerade in Zeiten, in denen Gleichberechtigung, Gender Pay Gap und faire Vergütung verstärkt in den Fokus rücken.
Doch natürlich gibt es Grenzen. Sprichst du über Gehalt mit Menschen außerhalb deines Unternehmens, kann das unter Umständen sensible Geschäfts- oder Wettbewerbsinformationen betreffen. Aber für die tägliche Arbeit im Team gilt: Informiert zu sprechen ist nicht nur erlaubt, es kann sogar sinnvoll sein.
Gehaltstransparenz und Gleichberechtigung
Gerade wenn es um die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz geht, kann das Gespräch über das eigene Gehalt sowie die Gehälter der anderen für mehr Fairness sorgen. Sie helfen dabei, Lohnungleichheiten zwischen Männern und Frauen oder zwischen verschiedenen Teams aufzudecken. Studien zeigen: Wo Mitarbeitende offen über ihr Gehalt reden können, gibt es weniger Gender Pay Gap, weil Ungerechtigkeiten schneller sichtbar werden und Arbeitgebende reagieren müssen.
In Dänemark zeigte sich nach der Einführung des Equal Pay Acts, einem Gesetz, das Unternehmen zu mehr Lohntransparenz verpflichtet, eine Verkleinerung der Gender Pay Gap im ersten Jahr rum 7 Prozent. Davon profitieren im Übrigen nicht nur Frauen: Sowohl Frauen als auch Männer bekommen höhere Gehälter, wenn die Mitarbeitenden die gegenseitigen Löhne kennen.
Gehaltstransparenz wirkt also wie ein kleines Machtinstrument für mehr Fairness: Wer weiß, was andere verdienen, kann besser verhandeln, sich selbst realistisch einschätzen und unfaire Unterschiede thematisieren.
Entgelttransparenz: Dein Recht auf Einblick
Seit 2017 gibt es auch in Deutschland das so genannte Entgelttransparenzgesetz, ein Gesetz, das Mitarbeitenden mehr Klarheit über ihre Bezahlung verschafft. Ziel ist es, faire Löhne und gleiche Bezahlung für vergleichbare Tätigkeiten zu fördern, besonders zwischen Männern und Frauen.
Das Gesetz gilt für Unternehmen mit mindestens 200 Beschäftigten. Als Arbeitnehmer:in hast du das Recht, anonyme Informationen über die Gehaltsspannen für vergleichbare Positionen zu erhalten. So kannst du prüfen, ob du fair bezahlt wirst, und hast eine solide Grundlage für Gehaltsverhandlungen.
Wichtig: Das Gesetz verpflichtet die Unternehmen nicht, dein eigenes Gehalt anzupassen, es verschafft dir lediglich Transparenz. Und es zeigt, wie ernst der Gesetzgeber das Thema Lohngerechtigkeit nimmt. Wer also unsicher ist, ob sein Gehalt angemessen ist, kann sich mit dem Entgelttransparenzgesetz rechtlich absichern und fundiert argumentieren.
Darf man mit Kollegen über Gehalt sprechen?
Um also ein für allemal mit dem Mythos aufzuräumen: Ja, du darfst mit Kollegen übers Gehalt sprechen.
Das Lohngeheimnis schützt in erster Linie die Arbeitgebenden davor, dass betriebsinterne Informationen nach außen gelangen. Aber dein eigenes Gehalt gehört dir, und das Gesetz schützt dich darin, darüber zu sprechen, auch innerhalb deines Teams. Arbeitsgerichte bestätigen immer wieder: Abmahnungen oder Kündigungen wegen Gehaltsgesprächen mit Kolleg:innen sind in der Regel unwirksam.
Warum es trotzdem so viele Bedenken gibt? Viele Mitarbeitende haben die Sorge, Konflikte zu erzeugen oder Neid zu provozieren. Tatsächlich ist es ratsam, Gespräche sensibel, sachlich und respektvoll zu führen. Beispiele:
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Vergleiche Gehälter nur mit Kolleg:innen, denen du vertraust
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Spreche über Strukturen und Spannen, bevor konkrete Zahlen genannt werden
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Vermeide Anschuldigungen und bleibe faktenbasiert
Wer sich an diese Regeln hält, kann nicht nur Klarheit über die eigene Vergütung gewinnen, sondern auch Ungerechtigkeiten im Team aufdecken und so ein faireres Arbeitsumfeld fördern.
Gehalt mit Personen außerhalb der Firma besprechen?
Wie sieht es mit Personen aus, die nicht zum Kollegium gehören? Darf ich mit ihnen mein Gehalt besprechen? Hier gilt besondere Vorsicht: Dein Gehalt darfst du grundsätzlich auch extern erwähnen, aber Vorsicht bei Kontexten, die sensible Betriebsinformationen betreffen könnten. Zum Beispiel: Du solltest nicht über Boni, variable Vergütungen oder interne Gehaltsstrukturen plaudern, wenn die Information Dritten einen strategischen Vorteil verschaffen könnte. Berufliche Netzwerke, öffentliche Plattformen oder Social Media sind hier potenziell heikel.
Ausnahmen: Wann Gehaltsgespräche problematisch sein können
Auch wenn du grundsätzlich übers eigene Gehalt sprechen darfst, gibt es einige Ausnahmen, die du beachten solltest:
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Führungskräfte oder leitende Positionen: Wer besonders sensible Informationen über das Unternehmen oder andere Mitarbeitende kennt, muss vorsichtig sein. Gehaltsdetails von Kolleg:innen oder strategische Boni dürfen nicht ohne Erlaubnis geteilt werden.
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Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse: Alles, was den Wettbewerb oder interne Kalkulationen betrifft, fällt nicht unter dein Recht, über dein eigenes Gehalt zu sprechen. Hier könnte ein Verstoß rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
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Öffentliche Plattformen: Social Media oder öffentliche Foren sind riskant, wenn sie Rückschlüsse auf andere Mitarbeitende oder vertrauliche Unternehmensinformationen zulassen.
Kurz gesagt: Dein eigenes Gehalt darfst du offen thematisieren, die Details anderer Mitarbeitender oder vertrauliche Unternehmensinformationen solltest du jedoch immer schützen.
Über Gehalt sprechen: Gerichtsurteile und rechtliche Sicherheit
Wer immer noch unsicher ist, ob offene Gehaltsgespräche riskant sind, kann beruhigt auf die Rechtsprechung schauen. In Deutschland gilt: Kündigungen oder Abmahnungen wegen Gehaltsgesprächen sind in der Regel unwirksam. Zahlreiche Arbeitsgerichte haben entschieden, dass Mitarbeitende das Recht haben, über ihr eigenes Gehalt zu sprechen, besonders innerhalb des Teams.
Ein Beispiel: In mehreren Fällen versuchten Arbeitgebende, Angestellte abzumahnen, weil sie Gehälter verglichen hatten. Die Gerichte erklärten die Klauseln zur Gehaltsschweigepflicht häufig für nichtig, da sie das Grundrecht auf Meinungsfreiheit verletzen und Mitarbeitende unangemessen benachteiligen.
Natürlich gibt es Ausnahmen: Wenn ein:e Mitarbeitende:r als Führungskraft oder in einer besonders sensiblen Position tätig ist, kann das Teilen von Gehaltsinformationen Dritter problematisch sein, etwa, wenn dadurch Betriebsgeheimnisse gefährdet werden. Doch das betrifft nicht das eigene Gehalt im Austausch mit Kolleg:innen.
Zusammenfassung – Das Wichtigste auf einen Blick
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Ja, grundsätzlich darf man über sein Gehalt sprechen. Das ist durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit geschützt.
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Ein pauschales „Lohngeheimnis“ im Arbeitsvertrag ist meist unwirksam, vor allem gegenüber Kolleg:innen.
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Mit Kollegen über Gehalt zu sprechen ist erlaubt, solange du keine Betriebsgeheimnisse verrätst oder gezielt Unfrieden stiftest.
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Kündigungen wegen Gehaltsgesprächen sind in der Regel nicht rechtens – das bestätigen auch Gerichtsurteile.
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Ausnahmen gelten, wenn du besondere Vertrauenspositionen hast oder sensible Daten Dritter offenlegst.
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FAQ - Häufig gestellte Fragen
Recommended Citation
Staffomatic (2025). Darf ich über mein Gehalt sprechen? Was Arbeitgeber wirklich verbieten dürfen. Staffomatic Blog. https://staffomatic.com/de/blog/darf-ich-ueber-mein-gehalt-sprechen