Während andere am Samstag ausschlafen oder den Sonntag auf dem Sofa verbringen, heißt es für viele Menschen in Deutschland: Ab zur Arbeit. Wochenendarbeit ist in zahlreichen Branchen Alltag – zum Beispiel, weil Schichtsystem gearbeitet wird. Für manche ist das Arbeiten am Wochenende ein notwendiges Übel, für andere wiederum eine willkommene Abwechslung zum klassischen 9-to-5 unter der Woche.
Doch was bedeutet es eigentlich genau, am Wochenende zu arbeiten? Welche Regeln für die Wochenendarbeit gelten? Gibt’s dafür mehr Geld – oder wenigstens einen Ausgleichstag? Und wie wirkt sich das Ganze auf Gesundheit und Privatleben aus?
In diesem Beitrag bekommst Du den kompletten Überblick!
Definition: Was ist Wochenendarbeit?
Wochenendarbeit bedeutet ganz einfach: du arbeitest an einem Samstag oder Sonntag, also außerhalb der klassischen Werktage von Montag bis Freitag.
Klingt simpel – ist aber arbeitsrechtlich gar nicht so selbstverständlich. Denn in Deutschland ist der Sonntag (und auch gesetzliche Feiertage) laut Arbeitszeitgesetz eigentlich arbeitsfrei – zumindest grundsätzlich. Doch wie so oft im Arbeitsleben gibt es natürlich Ausnahmen.
In der Praxis heißt das:
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Samstagsarbeit ist grundsätzlich erlaubt – z. B. im Einzelhandel oder in der Logistik.
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Sonntagsarbeit ist nur erlaubt, wenn es gesetzlich zulässig oder ausdrücklich notwendig ist – z. B. in der Pflege, Gastronomie oder bei Notdiensten.
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Arbeiten am Wochenende ist oft mit bestimmten Pflichten für Arbeitgeber*innen verbunden – z. B. Ausgleich durch freie Tage oder Zuschläge.
💡 Wichtig zu wissen: Nicht jede*r darf einfach am Wochenende arbeiten – und Unternehmen dürfen das auch nicht ohne Weiteres anordnen. Es braucht rechtliche Grundlagen, Tarifverträge oder klare betriebliche Regelungen.
Ob man Wochenendarbeit nun als Belastung oder als Chance sieht, hängt stark vom Job, der persönlichen Situation und der Unternehmenskultur ab. Klar ist: Arbeiten am Wochenende ist ein Thema, das gut geregelt und offen kommuniziert werden sollte – denn Freizeit ist ein hohes Gut.
Rechtliche Rahmenbedingungen für die Wochenendarbeit
Wochenendarbeit ist in Deutschland gesetzlich klar geregelt – und zwar im Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Denn obwohl wir längst in einer 24/7-Welt leben, gilt hierzulande grundsätzlich: Sonntage und gesetzliche Feiertage sind ruhezeitlich geschützt.
Heißt: Niemand darf einfach so am Wochenende arbeiten, nur weil es gerade besser passt.
§9 ArbZG – Das Sonntagsarbeitsverbot
Laut §9 ArbZG dürfen Arbeitnehmer*innen an Sonn- und Feiertagen von 0 bis 24 Uhr nicht beschäftigt werden – es sei denn, es handelt sich um einen gesetzlich zulässigen Ausnahmefall.
Ausnahmen von der Regel:
Es gibt Branchen und Situationen, in denen Arbeiten am Wochenende erlaubt (und teilweise unverzichtbar) ist. Diese Ausnahmen sind in §10 ArbZG geregelt. Typische Ausnahmebereiche sind:
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Not- und Rettungsdienste
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Gastronomie und Hotellerie
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Pflege und Gesundheitswesen
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Verkehrsbetriebe (Bahn, ÖPNV, Airlines)
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Medien, Kultur, Landwirtschaft
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produzierende Betriebe mit Schichtbetrieb
Was bedeutet das für Arbeitgeber*innen?
Wenn Mitarbeitende am Wochenende arbeiten müssen, gelten bestimmte Pflichten:
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Freizeitausgleich: Wer sonntags oder an Feiertagen arbeitet, muss innerhalb von zwei Wochen einen Ersatzruhetag bekommen.
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Wochenarbeitszeit: Die werktägliche Arbeitszeit darf in der Regel nicht mehr als 8 Stunden betragen – max. 10, wenn der Schnitt von 8 Stunden innerhalb von 6 Monaten eingehalten wird.
- Sonntagsarbeit: Mindestens 15 Sonntage im Jahr müssen beschäftigungsfrei bleiben.
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Zuschläge: Gesetzlich vorgeschrieben sind Zuschläge für Wochenendarbeit nicht – viele Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen regeln aber extra Vergütung oder Zuschläge.
💡 Tipp für Mitarbeitende: Wenn du regelmäßig am Wochenende arbeiten sollst, lohnt sich ein Blick in deinen Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag – dort steht, was für dich individuell gilt.
In welchen Branchen ist Wochenendarbeit üblich?
Auch wenn viele beim Stichwort „Wochenende“ sofort an Freizeit, Netflix oder Ausschlafen denken – für viele Menschen bedeutet Wochenendarbeit schlicht Alltag. Gerade in systemrelevanten oder kundenorientierten Branchen ist es ganz normal, auch am Wochenende zu arbeiten.
Hier ein paar typische Beispiele:
Pflege, Gesundheit & Notdienste
Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Rettungsdienste – hier ist Wochenendarbeit unvermeidlich. Rund-um-die-Uhr-Versorgung geht eben nicht nur Montag bis Freitag.
Gastronomie & Hotellerie
Gerade am Wochenende haben Restaurants und Hotels Hochbetrieb. Arbeiten am Samstag und Sonntag ist hier Standard – oft auch mit Nachtzeiten kombiniert.
Einzelhandel & Supermärkte
Ob Supermarkt, Bäckerei oder Shoppingcenter: Samstagsarbeit ist quasi Pflicht, in bestimmten Tourismusregionen auch an Sonntagen mit Sondergenehmigung.
Industrie & Produktion (Schichtbetrieb)
In Betrieben mit kontinuierlicher Produktion (z. B. Chemie, Energie, Stahl) wird oft im 3-Schicht-System gearbeitet – auch am Wochenende.
Logistik & Verkehr
Paketzustellungen, Bahnverkehr, Flughäfen oder Speditionen – alles läuft weiter, auch sonntags. Wochenendarbeit ist hier fest eingeplant.
Medien, Kultur & Veranstaltungen
Zeitungen erscheinen auch sonntags, Konzerte finden meist am Wochenende statt – viele kreative Jobs erfordern flexible Zeiten.
Was sind die Vor- und Nachteile der Wochenendarbeit?
Wochenendarbeit ist für viele ein zweischneidiges Schwert: Die einen schätzen die Ruhe im Büro oder die Flexibilität, die anderen empfinden es als echten Eingriff in ihre Lebensqualität. Wie so oft im Leben – es kommt drauf an.
✅ Vorteile der Wochenendarbeit
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❌ Nachteile der Wochenendarbeit
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- Mehr Flexibilität: Für viele bedeutet am Wochenende arbeiten, dass man dafür unter der Woche frei hat und zum Beispiel Arzttermine leichter wahrnehmen kann.
- Zuschläge & höhere Vergütung: In vielen Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen sind Zuschläge für Wochenendarbeit vereinbart.
- Ruhigere Arbeitsatmosphäre: Am Wochenende ist oft weniger los. Wer konzentriert arbeiten will – etwa in IT oder Verwaltung – genießt die Stille.
- Arbeitgeber-Bonus: In manchen Branchen kann die Bereitschaft zur Wochenendarbeit auch ein Pluspunkt bei der Karriere sein – weil Flexibilität und Einsatzbereitschaft gefragt sind.
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- Belastung für Körper & Psyche: Der Mensch braucht Erholungsphasen. Dauerhafte Arbeit am Wochenende kann die innere Uhr durcheinanderbringen, zu Schlafstörungen führen oder langfristig krank machen.
- Weniger soziale Kontakte: Wenn Freund*innen und Familie am Wochenende frei haben, man selbst aber arbeiten muss, kann das auf Dauer ziemlich einsam machen.
- Schwierige Work-Life-Balance: Wer regelmäßig am Wochenende arbeitet, hat oft Probleme, privat wirklich abzuschalten. Wenn andere frei haben, ist man selbst im Job – und das Gefühl von Dauerstress wächst.
- Komplizierte Planung: Kinderbetreuung, Freizeitgestaltung, gemeinsamer Urlaub – all das wird komplizierter, wenn man nicht im gleichen Rhythmus lebt wie das Umfeld.
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Es lohnt sich, auf einige dieser Punkt nochmal einen genaueren Blick zu werfen.
Wie wirkt sich Wochenendarbeit auf die Gesundheit aus?
Am Wochenende zu arbeiten klingt für manche erstmal halb so wild – vor allem, wenn’s nur ab und zu passiert. Aber wenn Wochenendarbeit zur Dauer wird, kann das echte Auswirkungen auf Körper und Psyche haben.
Schlafrhythmus und innere Uhr
Der menschliche Biorhythmus ist auf den klassischen Wochenverlauf eingestellt. Wenn du regelmäßig samstags oder sonntags arbeitest und dafür unter der Woche frei hast, kommt dein Körper oft durcheinander.
Schlafen, wenn andere wach sind – wach sein, wenn andere schlafen? Klingt anstrengend. Ist es auch. Auf Dauer kann das zu Schlafstörungen, Erschöpfung und Konzentrationsproblemen führen.
Mentale Belastung
Wer oft am Wochenende arbeitet, hat weniger Zeit für soziale Kontakte, Hobbys oder Erholung. Das kann ganz schön aufs Gemüt schlagen – insbesondere, wenn keine echten Ausgleichszeiten geschaffen werden.
Die Folge: Stress, Reizbarkeit oder sogar depressive Verstimmungen. Gerade, wenn sich das Gefühl einstellt, „immer zu arbeiten, wenn alle anderen frei haben“.
Fehlende Erholung
Freizeit ist nicht gleich Erholung – vor allem nicht, wenn sie ständig außerhalb des üblichen Rhythmus stattfindet. Viele erleben freie Tage unter der Woche als weniger erholsam, weil das soziale Umfeld fehlt. Auch der Körper braucht regelmäßige Pausen zur gleichen Zeit, um sich wirklich zu regenerieren.
Besonders betroffen: Pflegekräfte, Schichtarbeitende & Alleinerziehende
Menschen in systemrelevanten Berufen, im Schichtdienst oder mit Betreuungspflichten sind besonders belastet – weil sich Wochenendarbeit oft nicht frei wählen lässt.
Was verdient man bei Wochenendarbeit? Gibt es Zuschläge?
Im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) ist kein genereller Anspruch auf Zuschläge für Arbeiten am Wochenende verankert. Es heißt also nicht automatisch: „Sonntags +20 % auf Deinen Lohn“.
ABER: In vielen Branchen regeln Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder individuelle Arbeitsverträge sehr wohl, dass Wochenendarbeit finanziell honoriert wird.
Typische Zuschläge im Überblick:
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Samstagsarbeit: Oft ohne Zuschlag, außer im Schichtbetrieb oder bei bestimmten Vereinbarungen
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Sonntagsarbeit: In vielen Fällen +25 % bis +50 % auf den Stundenlohn
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Feiertagsarbeit: Teilweise sogar +100 % oder mehr
💡 Achtung: Diese Sätze sind nicht gesetzlich garantiert – sie hängen von der Branche, dem Tarifvertrag und der Unternehmenspraxis ab.
Für wen lohnt sich Wochenendarbeit?
Gerade für Studierende, Azubis, Minijobber oder Teilzeitkräfte kann am Wochenende arbeiten finanziell richtig spannend sein.
Tipps für Arbeitgeber: Wochenendarbeit fair gestalten
Wochenendarbeit kann für Unternehmen absolut notwendig sein – gerade in Branchen mit Schichtbetrieb, Kundenkontakt oder Notfallbereitschaft. Aber: Wer Mitarbeitende am Wochenende arbeiten lässt, trägt Verantwortung. Und zwar nicht nur organisatorisch, sondern auch menschlich.
Hier ein paar Tipps, wie Wochenendarbeit fair, gesund und motivierend gestaltet werden kann:
1. Klare, transparente Regelungen schaffen
Mach keine Grauzone draus. Regel in Arbeitsverträgen oder Betriebsvereinbarungen, wann und wie oft Wochenendarbeit vorkommt – inkl. Ausgleich, Freizeittagen oder Zuschlägen.
2. Frühzeitige und planbare Einsatzzeiten
Wer weiß, wann er am Wochenende arbeiten muss, kann besser planen. Schichtpläne frühzeitig veröffentlichen, Wünsche berücksichtigen und echte Mitbestimmung ermöglichen – das zeigt Wertschätzung.
3. Freiwilligkeit, wo möglich
Nicht jede*r kann oder will regelmäßig am Wochenende arbeiten – z. B. wegen Familie, Betreuung oder einfach aus Überzeugung. Wo es möglich ist, setz auf Freiwilligkeit statt Zwang. Teams finden oft selbst eine gute Lösung.
4. Wertschätzung zeigen – auch finanziell
Zuschläge, kleine Benefits (z. B. Frühstück am Sonntag, Taxi zum Nachtdienst, zusätzlicher Urlaubstag): Wer am Wochenende arbeitet, leistet oft mehr, als man denkt. Zeig, dass das gesehen wird.
5. Für Ausgleich sorgen
Wochenendarbeit bedeutet Belastung – egal, ob körperlich oder mental. Freizeitausgleich, Gesundheitsangebote oder Flexibilität an anderen Tagen machen den Unterschied.
FAQ – Häufig gestellte Fragen